Literarische Gattung der Epik

 

Das Wort Epik stammt aus dem Griechischen und bedeutet in etwa „Wort“, „Erzählung“ oder auch „Geschichte“. Sie umfasst nahezu alle Texte der erzählenden Literatur. In den Bereich der Epik fallen mit Sicherheit die meisten Textsorten und -formen der drei literarischen Gattungen. So umfasst der Bereich Romane, Autobiografien, Kriminal- und Abenteuerromane, aber auch Kurzformen wie Kurzgeschichten, Märchen, Novellen und den Schwank, die Fabel sowie die Anekdote. Natürlich müssten an dieser Stelle noch zahlreiche Genres und Untergattungen aufgezählt werden, doch das Wichtigste ist, dass wir einen epischen Text aufgrund bestimmter Merkmale und Eigenschaften als solchen identifizieren können.

 

 

Kurzübersicht , Epik :

 

1. Die Epik gibt Begebnisse der äußeren (Beschreibung, Feststellungen etc.) und inneren Welt (Gefühle, Gedanken etc.) vom Standpunkt eines Erzählers wieder.

2. Epische Texte haben folglich einen Erzähler, der das Geschehen erzählt. Dieser Erzähler lässt sich meist sehr einfach erkennen (siehe: auktorialer, personaler, neutraler Erzähler)

3.Epische Texte werden in Vers- oder Prosaform wiedergegeben. Spielarten sind möglich, aber in der Regel beschränken sich epische Texte auf eben diese Formen.

 

 

Merkmale epischer Literatur

 

Begriff:

Grundhaltung der Dichtung (neben lyrisch und dramatisch). Stilart, die vom erzählenden Vergegenwärtigen von Vergangenem gekennzeichnet ist. Distanz zwischen Autor und Buch, Einbeziehung der Leserschaft. Wiederkehrende, formelhafte Wendungen und Motive. Raum und Zeit keine unüberwindliche Begrenzung -> Zeitdehnung, Zeitraffer, Zeitdeckend, Rückblenden, Vorausdeutungen.

 

Geschichte:

Vor dem 18. Jh. galt der Roman als am wenigsten populäre Textgattung (vgl. z.B. Gottsched); zuvor fand man ihn hauptsächlich als Versroman: Homer, Vergil; Hartmann v. Aue, Wolfram v. Eschenbach. Erst im späten MA kommt der Prosaroman auf. Zum Teil wurden Versromane in Prosa überführt (Prosaauflösung), z.B. “Prosa-Lanzelot”. Die letzten Großformen in Versen zu finden bei Klopstock (Messias); Wieland; Goethe (Hermann und Dorothea); Heine (Deutschland, ein Wintermärchen). Seit Mitte 19. Jh. fast alle erzählende Literatur in Prosa.

 

Formen:

Bericht (zeitraffend), Beschreibung (zeitdehnend), epische Szenen (zeitdeckend).

Erzähler:

Verfasser erzählender Prosa oder fiktive Gestalt, die selten mit dem Autor identisch ist und eine Vermittlungsfunktion zwischen den dargestellten Geschehnisse und dem Leser übernimmt.

 

Erzählhaltung:

Die Art und Weise, wie der Erzähler Geschehnisse und fiktive Personen sieht, über sie Auskunft gibt und über sie urteilt. Dies ergibt die Erzählperspetkive. Haltung und Perspektive führen zur Erzählsituation.

Erzählsituation:

1. Ich-Erzählsituation: Fiktiver Erzähler nimmt am Geschehen selber teil.

2. Auktoriale Erzählsituation: Erzähler steht ausserhalb der Welt, weis im Voraus, wie das Geschehen weitergeht und kann sich in das Geschehen einschalten, indem er auf zukünftiges voraus weist oder beurteilt und kommentiert.

3.Personale Erzählsituation: Hier fehlt der Erzähler als Vermittler zwischen Autor und Leser. Leser kann Eindruck haben, er befinde sich selbst im Geschehen oder er betrachte das Geschehen aus der Perspektive einer dargestellten Figur.

Erzählte Zeit:

Zeitumfang der erzählten Handlung

Erzählzeit:

Dauer des Erzählens bzw. Lesen.

Erlebte Rede:

Innere Vorgänge einer Person werden als Gedanken aus ihrer eigenen Perspektive wiedergegeben, nicht als Monolog in direkter oder indirekter Rede, sondern in einer Zwischenform.

Innerer Monolog:

Versucht den Bewusstseinszustand einer Person möglichst direkt und unmittelbar darzustellen. Ich-Form und Präsens. Häufig zusammenhangslose Empfindungen und Reaktionen.

Rahmenerzählung:

Eine oder mehrere Erzählungen sind in eine umrahmende Erzählung eingebettet. Situation, die „im Rahmen“ erzählt wird, enthält häufig Anlass für die Binnenerzählung.

 

Formen:

 

Fabel:

Eine Fabel ist eine kurze Erzählung die mit einer belehrenden Intention ausgestattet ist. Sie handelt meistens von Tieren oder Mischwesen zwischen Menschen und Tieren (Fabelwesen). Häufig kommt es zu einer sehr starken Personifikationen der Tiere, die ausgeprägte menschliche Eigenschaften besitzen. Am Ende einer Fabel steht immer eine Moral, die mal leicht zu erkennen ist, aber auch gelegentlich erst durch intensive Textbearbeitung erkennbar wird. Historisch betrachtet ist die Fabel eine schon lange existierende Form der Epik (Seit dem Altertum). Der Aufbau ist simpel gehalten. Zu Beginn gibt es immer eine Ausgangssituation worauf ein Geschehnis folgt, welche die Handlung auslöst. Dies kann beispielsweise ein Ereignis oder eine Rede etc. sein. Logischerweise folgt dann die Reaktion eines Betroffenen was wiederum zum Endergebnis führt, die auf eine Moral verweist.

Kurzgeschichte:

Die Kurzgeschichte ist eine sehr neue Form der Epik und leitet sich von dem englischen “Short Story” ab. Das Wichtigste Merkmal bei der Kurzgeschichte ist die sehr starke Komprimierung des Inhaltes. Es ist also möglich das es vergleichsweise lange Kurzgeschichten gibt, deren Inhalt jedoch sehr gebündelt ist. Essenziell ist aber, dass sie so lang ist, dass man sie in einem durch lesen kann. Alle Kurzgeschichten haben eine Intention oder Botschaft, die sie übermitteln wollen. Der Leser muss sich diese anhand einer möglichen Interpretation (Mehrfachdeutungen möglich) erschließen, weil die Absicht nicht offen liegt. In Kurzgeschichten werden Probleme der Zeit behandelt, es müssen keine Politischen sein, sondern können auch Soziale Probleme oder auch Beziehungsprobleme zweier oder mehrer Personen. Die Erzählform ist nicht festgelegt, daher können folgende auftauchen: Ich-Erzähler, Personalen-Erzähler und Auktorialer-Erzähler. Oft setzt die Handlung der Kurzgeschichte plötzlich ein, sodass der Leser den Eindruck hat, mitten in einer Geschichte einzusteigen. Er muss sich die Vorgeschichte durch Andeutungen erschließen. Auftretende Personen sind sehr Charakteristisch. Daher fungieren sie als Symbolische Charakter (mit denen sich der Leser identifizieren kann), bekannten Persönlichkeiten oder sind als Metapher zu deuten.

Märchen:

Märchen sind meist kleinere Erzählungen, in denen Fabelwesen und magische Elemente auftreten. Die Thematik besteht aus einer fiktiven Erzählungen und dient der Unterhaltung. Weitergegeben wurden sie früher vor allem durch Nacherzählen, wodurch sich die Geschichten immer wieder etwas veränderten, bis sog. Märchensammler sie zusammen trugen und aufschrieben. Ein populäres Beispiel für Märchensammler in Deutschland sind die Gebrüder Grimm. Das Märchen hat keine festen Formen und Vorgaben in Stil und Aufbau. Traditionsgebunden beginnen Märchen mit den Worten “Es war ein mal…” und enden mit “Und wenn sie nicht gestorben sind dann Leben sie noch Heute”. Der Großteil der Märchen hat einen positiven Schluss, was allerdings keiner festen Regel entspricht.

Parabel:

Die Parabel ist eine kurze Erzählung, die meist auf moralische und ethnische Fragen hinausläuft und den Leser von einer Meinung zu überzeugen versucht. Allerdings wird der Leser dazu angehalten die Lehre oder Absicht der Parabel selber zu erkennen. So eröffnet sich bei der Fülle von Metaphern oft verschiedene Interpretationsansätze (siehe Franz Kafka). Bei der Parabel gibt es zwei Ebenen auf denen Erzählt wird. Zum einen die Sachebene, die der Handlung entspricht und zum andern die Bildebene. Häufig kritisch betrachtend, zeigt sich in der Parabel eine Änderung auf, die sich der Leser unterziehen soll. Im Gegensatz zur Fabel sind in der Parabel stets Menschen die Protagonisten.

Roman:

Roman ist ein weitfassender Begriff, unter dem fast alle längeren Erzählungen eingeordnet werden. Es gibt keinerlei Kriterien für den Roman an sich. Zwar ist die Fiktionalität häufig vorhanden, ist aber keine Bedingung für eine Erzählung. Für den Leser relevant ist einzig die positive und spannende Leseatmosphäre. Im laufe der Jahrhunderte hat sich die Form, die Erzählhaltung und das Erzählte im Roman häufig verändert.

Satire:

Unter der Satire versteht man eine anprangernde Erzählung, die kritisch die Gesellschaft und deren Missstände aufzeigt. Ablehnung übt sie in einer amüsanten und unterhaltsamen Form. Wichtige Stilelemente sind unter anderem das verwenden von Hyperbeln (starken Übertreibungen) und das verzerren von verschiedenen Sachverhalten. Des Weiteren werden auf Sarkasmus, Zynismus und Ironie zurückgegriffen. Eine Satire entspricht etwa der Karikatur in der Kunst. Als verwandte Form der Satire ist die Parodie zu nennen.

Sprichwort:

Ein Sprichwort ist ein kurzer Lehrsatz, der eine Lebensweißheit beinhaltet. Meistens sind das Haushaltsregeln oder kritische Betrachtungen. Von Bedeutung ist, dass ein Sprichwort kurz, allgemein gültig und leicht verständlich ist.

Novelle:

urspr. juristisch: “nachträglich ergänzend”, “erweiternd” (novella lex=nachträgliches Gesetz); novella (ital.)=“Neuigkeit”) wird seit der Renaissance zum literarischen Begriff; der Titel impliziert das Versprechen an den Leser, etwas noch nie Gehörtes, gar Unerhörtes zu bieten. Die Novelle ist stets ,, ereignishaft ,, ,, neu ,,

Ẹpos:

eine Großform der Epik: eine Verserzählung in gehobener Sprache, in der vor mythologischem oder historischem Hintergrund von abenteuerlichen und schicksalhaften Begebenheiten innerhalb eines geordneten Weltgefüges berichtet wird. Kompositionsprinzip ist die lockere Aneinanderreihung von Episoden, ein gleich bleibendes Metrum und eine hohe Stilebene mit oft formelhaften Wendungen. Die Romantik und die von ihr beeinflusste ältere Literaturwissenschaft (z. B. J. Grimm) unterschied zwischen Volksepos (ein aus der mündlichen Überlieferung eines Volkes „unbewusst“ entstandenes Heldenepos) und Kunstepos (bekannter Verfasser, eigene Gestaltung in Form und Inhalt). Die heutige Forschung geht dagegen bei allen Epen von individuellen Verfassern aus, auch wenn einige davon anonym sind, wie z. B. beim „Nibelungenlied“. Unterschieden werden Götterepos, Heldenepos, höfisches Epos, Tierepos und komisches Epos (Parodie). Der Ursprung von Epen sind die meist mündlich überlieferten, mythologischen Erzählungen und Sagenkreise um Götter-, Herrschergeschlechter und Heroen, die ihrerseits realgeschichtliche Ereignisse (Völkerwanderung, Staatengründung, Eroberungen, Kriege) verarbeiten. Die ersten Epen finden sich im außereuropäischen Kulturkreis, so das babylonische Gilgamesch-Epos aus dem 2. Jahrtausend v. Chr., die indischen Epen Mahabharata und Ramayana (5. Jahrhundert v. Chr. und 4. Jahrhundert n. Chr.), die allerdings nicht auf das europäische Epos einwirkten, im Gegensatz zum „Königsbuch“ („Shah-Namé“) des Persers Firdausi (ca. 1000 n. Chr.), das schon im Mittelalter in Europa bekannt war.