Kinderlyrik


Ziel und Bedeutung: ⇓

Kinderreime und Kinerlieder bieten einen ständigen Anreiz für gemeisames Sperechen,Singen und Spielen. Weiterhin werden in ihnen Informationen über die Welt auf verständliche Weise weitergegeben, die nicht nur passive von den Kindern aufgenommen, sondern auch aktiv und produktiv umgestaltet werden dürfen.
Die studierenden sollen den historischen Werdegang und die Charkteristika dieser Gattung kennenlernnen.Sie sollen die erzieherische Bedeutng von Reimen, Liedern und Gedichten erkennen und die Fähigkeit erwerben, diese in der Praxis einzusetzen.

 


 

Zum Begriff Kinderlyrik: ⇓

 

Mit dem Begriff “Kinderlyrik“ werden die Begriffe “Kiderlieder“ und“kinderreime`zusammengefaßt ,da Lied ,Lyrik und Reim eng miteinander verwandt sind.

Bei der Entstehung der Kinderlyik fehlt die für andere Gattungen der Kinderlitratur Chrakterisierende einhaltliche Intention,daß nämlich der Erwachsene als Produzent auftitt und das Kinder als Empfänger
bwz.Verbraucher. Innerhalb der kinderlyrik treten neben der Erwachsenen auch Kinder als produzenten auf,zudem gibt es Texte, die ursprünglich für Erwachsene bestimmt waren.

“Außerdem dienen Kinderreime,die teils gesprochen, teils gesungen, meistens jedoch in leierndem Singsang vortragen werden, unterschiedlichem Gebrauch. Sie beschreiben die Welt, sie erscheinen zur Unterhaltung und Belehrung, als erklärende Texte zu Bildern,als Schnellsprechreime, als Schlafliedchen, Kniereiterverse, Auszählreime,begleiten den verschiedensten kindlichen Tanz- und Reihnspiele oder sind nichts anderes als Ausdruck des immer neuen Vergnügens der Kindermanchmal auch der Erwachsenen-an Kunststückchen, die sich mit der Hilfe der Sprache hervorzaubern lassen.“

So versammeln sich die verschiedenartigsten Gebilde unter dem Begriff Kinderlyrik. Eine Abgrenzung dieser Gattung wird insbesondere durch die verzweigte und manchmal auch verschwommene Entstehungsgedichte der Kinderlyrik erschwert.Im folgenden werden einzelnen Stränge der Entstehung zurückverfolgt und ihren wesentlichen Zügen aufgezeit, um eine begriffliche Abklärung zu erreichn. An der Darstellung des historischen Werdeganges der Kinderlyrik lassen sich dann die Charakteristika dieser Gattung aufzeigen.

 


 

Zur Entstehung der Kinderlyrik: ⇓

 

Grundlegend für die Klärung der Herkunft und der Entstehunggedichte der Kinderlyrik ist die Scheidung in zwei große Kategorien, in die des, “Kinderkunstliedes“und die des `Kindervolksliedes“.

Der Unterschied dieser beiden Kategorien zeigt sich in Form , Aufbau und Inhalt der einzelnen Texte, An einem einfachen Beispiel läßt sich dieses gut verdeutlichen:

Beispiel :kinderkunstlied

Häslein in der Grube
Saß und schlief ;
armes Häslein,bist du Krank,
daß du nicht mehr hüpfen kannst?
Häslein, hüpft!

 

Beispiel: Kindervolkslied

Rote Kirschen eß ich gern,
schwarzer noch viel lieber.
In die Schule geh ich gern.
alle Tage wieder.
Hier wird platz gemacht
für die jungen Damen.
Saß ein Kuckuck auf dem Dach,
hat der Regen naß gemacht.
Kommt der liebe Sonnenschein,
dieser Liese soll es sein.

 

Das Häslein in der Grube weist einen logischen aufgebauten Inhalt auf und läßt sich dadurch der Kategorie Kinderkunstlied zuordnen. Das Beispiel Rote Kirschen eß ich gern dagegen springt von einem Motive zum anderen und läßt sich dadurch als Vertreter der Kindervolkslyrik anführen. Dort , wo bewzßt von Erwachsenen ein Lied oder Reim für Kinder verfaßt worden ist. Kann mann vom Kinderkunstlied spreschen.

Allerdings ist dieses nur eine Komponente der Kinderlyrik, eine endgültige Trennung zwischen Kinderkunstlied und Kindervolkslied ist damit nicht immer vollzogen.“ Gelingt es dem Verfasser,mit der Wahl des Themas die kinder zu fazinlieren, täuscht er er keine verstellte Wirlkichkeit vor, lügt er – wenn er es schon tut- gleich so faustdick.daß ein lustiges Lügenmärlein daherwächst, schreibt er einen gängigen, unkomplitzierten Stil und läßt er statt den moralischen Zeigfinger zu heben,den eigenen Spaß an seinem Fabrikat spüren, dann sind der Vorbedingungen dafür gegeben, daß das Gedicht in
den Bereich der Kindervolkslieder hineinschlüpft und dort verbleibt.“

Das Häslein in der Grube und das allbekannte Schlaf, Kindlein schlaf gehören zu diesen gelungenen kinderkunstliedern. Erfreulicherweise sind gerade in den letzten Jahren viele Kindergedichte geschrieben worden, die ziemlich genau den kindlichen Ton und die kindliche Welt erfassen.

Die Maßstäbe für die Kinderlyrik werden durch das Kindervolkslied vorgegeben. Im folgenden wird Die Entstehungsgeschichte des Kindervolkslied skizziert. Im Vergleich von Kinderkunstlied ist die Entstehung des Kindervolksliedes weitaus schwieriger zurückzuverfolgen. Routh Lorbe  hat den Versuch unternommen, den Entstehungprozeß des Kinderfolksliedes schematisch darzustellen, um diesen bildhshaft zu verdeutlichen. Dieses Darstellung wird hier übernommen, darf aber nicht als unabänderlich fixierte Ordnung verstanden werden.

 

 

Ein Weiterer Anteil ist direkt-ohne Umweg über das Erwachsenenvolkstlied- aus Erwachsenenkunstliedern hervorgegangen. Beispielhaft hierzu sind Schlagertexte zu nennen,die in einzelnen Motiven oder als Ganzes von den Kindern absorbiert wurden. Der Übergangprozes spielt sich ganz ähnlich ab, wie beim Übergang vom Erwachsenenvolkslied, doch lassen sich in diesen Kinderliedern“unkindliche typische Erwachsnenmotive noch viel deutlicher erkennen als bei den vorher beschriebenen kinderliedern. Der Verkindlichungsprozeß konnte noch nicht lange genug wirken, um die Spuren der Erwachsenendichtung zu verwischen.“ Zu dieser Gruppe gehören auch Texte, in denen Kinder Kirchenlieder, Operntexte und Gedichte deutscher Klassiker parodieren. Texte, die parodierend einen klasssischen Text aufs korn nehmen, sind nun nicht verstümmelte Überbleibsel der Erwachsenendichtung,“sondern ist absichtliche, sehr oft kritische Um-bzw. Weiterdichtung durch die Kinder“.

 

Beispiele: ⇓

 

Drei Veilchen drei Veilchen                                       Loch in Erde
die pflanzt ich auf mein Grab.                                   Bronze rin
da kam ein Vegetarier                                              Glocke fertig
und fraß sie ab.                                                        bim bim bim.

 

Peter Rühmkorf hat in seinem Band Über das Volksvermögen eine umfassende Dokumentation dieser parodistischen Verse und Verulkungen zusammengestellt.

 

 

Bisher wurde das Erwachsenenkunstlied als indirekte oder direkte Quelle des heutigen kinderliedes bzw. heutiger kinderlyrik aufgezeigt. Doch ist es nicht die einzige Quelle, auch innerhalb der Volkspoesie lassen sich Zeilen und Strophen finden, die aus altem Brauchtum entstanden sind und uralte Wurzeln haben. Beispiele dazu sind die Segens-und Beschwörungsformeln aus heidnischer Zeit. Diese Beschwörungsformeln richten sich-gegen Krankheit, gegen Unwetter, gegen Dämonen, für Wachstum und Fruchtbarkeit“.

 

Beispiele: ⇓

 

Heile, heile, Segen!                    Es tanzt ein Bi-Ba- Butzemann
Sieben Tage Regen!                  In unserm Haus herum, widibim,
sieben Tage Schnee:                 er rüttelt sich, er schüttelt sich,
Es tut nimmer weh!                    er wirft sein Säcklein hinter sich.
Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann

 

 

Beschwörungsformel erzählen keine Geschichte, sie sind allenfalls geheimnisvolle Sinnfaragmente, angefüllt mit klangvollen Worten, Alliterationen, Assonanzen und Wiederholungen; und bei den Zeilen, die Bewegungen begleiten, herrscht vor allem das rhythmische Element vor.´´ Restbestände lassen sich in zahlereichen Rimen finden.

Ein weiterer Entstehungsberich ist der, den man als eingenständige Kinderdichtung bezeichnen kann. Es handelt sich dabei um Produkte, die von den Kindern selbest verfertigt wurden.

 

Beispiele: ⇓

 

Anna widiwanna                     Acke backe bohne knacke
widiwumbas kadanna             Elle belle bulle baff
widiwumbas kadrops              Un du büst aff.
die Anna is a Mops.

 

 

 

Vorstehende Beispiele sind sicher nicht von Erwachsenen verfaßt worden. So sind viele Reime der kindlichen Phantasie entsprugen. Die Neckverschen und Wortkustückchen,die kindlicher Initiative entstammen,“ sind unkompliziert, getragen von einem gleichmäßigen, meist leiernden Rhythmus und drücken die Lust am Spiel mit Lauten und das Vergnügen am Komischen und Lächerlichen aus.´´
Nicht selten werden auch Erwachsenenmotive verwendet, die sich allerdings so in die kinderliche Eigenart und Vorstellungswelt einfügen, daß sie der kindlichen Mentalität entsprechen.

 

Das Erscheinungsbild der kinderlyrik wird eigentlich erst aus der kenntnis der verzweigten Entwicklungsgeshichte verständlich. Es wurde aufgezeigt, daß kinderlyrik, die ursprünglich von Erwachesenen für Erwachsene bestimmt war, andere Motive aufweist, als kinderlyrik, die von Erwachsenen für kinder verfaßt wurde. Weiterhin haben Texte, die von den kindern selbst fabriziert wurden, einen anderen Charakter als die Werke der Erwachsenen.

Durch die mündliche Überlieferung und den damit verbundenen Zersingeprozeß haben sich wichtige Veränderungen der ehemaligen Erwachsenenlieder ergeben. Es haben sich durch diesen Umformungsprozeß Eigenschaften entwickelt, die die von den Kindern selbst hergestellten. Texte von vorneherein hatten. “ Diese Eigenschaften sind vor allem das Ausstoßen aller lehrhaft moralisierenden oder streng verstandesmäßigen Tendenzen; das Umwandenln von Erwachsenenmotiven, der Verzicht auf Sinnzusammenhang innerhalb eines Textes,statt dessen immer  wieder Sprunghaftigkeit; eine ausgesprochene Freude am Un-Sinn; das Vorherrschen von kurzen Zeilen, von Rhythmus, Reim, Wiederholungen und Assoziationen,“

 

 

Diese Einzelheiten werden zusammengefaßt durch die Tatsache, daß sie ´´die Welt des Kindes“ widerspiegeln, insofern als Strucktur Sinnzusammenhang und Stil des Kinderliedes durch des kindliche Vorstellungswelt geprägt sind. die Welt erscheint aber nicht als“heile Welt“, sondern als natürliche Welt, in der alles passieren kann.

Nach Ruth Lorbe Stellt das Kindervokslied den eigentlichen Kern der Gattung dar, da es im Gegensatz zum Kinderkunstlied “gesellschaftspolitische und modische Umstürze absorbieren und überdauern kann“ währenddessen das Kinderkunstlied nur eine vorübergehende Rolle spielt. Es sei denn, das kinderkunstlied fließt in den Bestand des anonymen Kindervolksliedes ein.

 

Nun hat sich allerdings in den letzten 20-25 Jahren das Kinderkunstlied erheblich gewandelt. “Die Aura der Erwachsenenwelt, die bisher darin vorherrschte, macht mehr und mehr einer natürlichen Kindlichkeit Platz. So direkt und unvoreingenommen wird da die Welt vorgeführt, daß es in vielen Fällen schwierig ist, noch länger zwischen Kindervolkslied und Kinderkunstlied zu unterscheiden.“

 

Beispiele: ⇓

 

Ki Ka Ko Kartoffelsack                          Ene mene Miesmaus,
morgen ist ein Feiertag.                        lief ums Rathaus,
Gibt es Kuchen,                                    schillewipp, schillewapp,
mußt du suchen.                                   du bist ab.

 

Alle Beispiele können als “echte kinderlieder“ bezeichnet werden, in ihnen spiegelt sich deutlich die kindliche Vorstellungswelt wider.

 


 

Themenfeld der Kinderlyrik

 

Auf dem Umschlag des Kindergedichtbandes “Überall und neben dir“, der fast 400 Gedichte von verschiedenen Autoren beinhaltet, umschreibt der Herausgeber Hans-Joachim Gelberg das Themenfeld zeitgenössischer Kinderkunstgedichte folgendermaßen: “Sie handeln von der Natur,von Wind und Wetter von Nähe und Ferne, von Reisen, Rätseln und Geheimnissen , von Geschwistern, von Vater und Mutter, “Weiter führt Gelberg aus: “Das Kindergedicht von heute unterliegt keinem Zwang. Es enthält Liebe und Zuwendung der Erwachsenen an die Kinder ebenso wie den Kinderprotest und die Suche der Kinder nach Zuwendung und zärtlichkeit. “

 

 

Es werden aber auch Flugzeug, Raumfahrt, Autos, Raketn Bomber, Bagger usw.Im zeitgenössischen Kindergedicht thematisch eingearbeitet, so daß das Spektrum der Inhalte und Themen breit ist. Trotzdem gilt für die Kinderkunstlyrik wie für die anonyme Kindervolkslyrik:

Das Thema der kinderlyrik ist die Welt. In Gedichten und Liedern begegnet das kind der Welt. Dabei wird ganz deutlich,wie die kinder selbst an ihrem Weltbild mitarbeiten; denn sie dulden nur das, was ihrer eigenen noch unvoreingenommenen.vorurteilslosen Einstellung der Welt gegenüber entspricht und das kinderkunstgedicht erweist sich dann um so besser, wenn es diesem Beispiel folgt.“ Die Welt erscheint dabei nicht als kindische Welt, es werden reale Dinge und Vorgänge vorgeführt, wobei Reim und Rhythmus wieder abrunden und harmonisieren.

 

Beispiele: ⇓

 

Das ist der Daumen                                    Backe, backe Kuchen,
der schüttelt die Pflaumen,                         Der Bäcker hat gerufen!
der liest sie auf,                                          Wer will guten Kuchen backen,
der trägt sie heim,                                      Der muß haben sieben Sachen:
und der kleine Wix ißt sie ganz allein.        Eier und Schmalz,
Butter und Salz,
Milch und Mehl,
Safran macht den Kuchen gehl.
Schieb, Schieb in Ofen ,nein.

 

Im Kindergedicht dürfen logische Bedenken wegfallen, das Experimentieren mit der Sprache, mit klanglichen und rhythmischen Möglichkeiten sind wesentliche Elemente, so daß der Inhlt eines Kindergedichts oft nur von der Wortähnlichkeit abgeleitet oder aber vom Klangrhythmus bestimmt wird.Daraus ergeben sich unzählige Möglichkeiten.

 

Beispiele: ⇓

 

Auf einem Gummi-Gummi-Berg,
da wohnt ein Gummi-Gummi-Zwerg,
der Gummi-Gummi-Zwerg
hat eine Gummi-Gummi-Frau,
die Gummi-Gummi-Frau
hat ein Gummi-Gummi-Kind,
das Gummi-Gummi-kind
hat ein Gummi-Gummi-Kleid
das Gummie-Gummie-Kleid
hat ein Gummi-Gummi-Loch,
und du bit es doch!

 

Wenn Kinder unter sich sind,spielt der“Breich des Vulgär-Unmanierlichen,des Sexuellen und des zotigen“ eine nicht zu übersehende Rolle. Die Kinder nehmen sich kein Blatt vor den Mund, wenn sie mit Humor und derber, aber realistischer Phantasie am Werk sind, Texte dieser Machart zu fabrizeren.

 

Beispiel: ⇓

 

Ene mene mopel
Wer frißt Popel
Süß und saftig
Einemarkundachtzig
Einemarkundzehn
Und du kannast gehn.

 

 

Liebe und Heirat ist ein oft auftauchendes Thema der Kinderlyrik, allerdings kommt dieses Motiv häufiger in der Kindervolkslyrik als in der Kinderkunstdichtung vor.

 

 

Beispiel: ⇓

 

Wen du brauchst
Einen zum küssen und Augenzubinden,
einen zum lustige-Streiche-erfinden.
Einen zum Regenbogen-suchen-gehn
Und einen zum fest-auf-dem-Boden-stehn.
Einen zum Brüllen, zum Leisesein einen,
einen zum Lachen und einen zum Weinen.
Auf jeden Fall einen, der dich mag,
heute und morgen und jeden Tag.