die Bildmappe


Sachanalyse: ⇓

 

Jörg Müllers Bildmappe „Alle Jahre …“ brachte dem Autor viel Erfolg. Sie besteht aus sieben Bildern in Großformat. Auf allen dieser Bilder ist der gleiche Landschaftsausschnitt zu sehen. Diese zeigen was durch Einwirkung des Menschen mit einer Landschaft in einer kurzen Zeit geschehen kann. Die Vorbilder sind von der realen Welt entnommen und unglaublich akribisch und mit Liebe zur Detaildarstellung geschaffen worden, denn Kinder würden Bilder sehr genau betrachten und sie mit der Wirklichkeit vergleichen. Er will nicht den Weg vom heilen, lieblichen Dorf zur bösen, technischen Stadt zeigen oder gar den Ruf Zurück zur Natur erneuern, doch zeigen wie eine kopflose Gesellschaft planlos planend ihre Umwelt langsam zerstört.

 

 


 

Didaktische Analyse: ⇓

 

Jörg Müllers Bildmappe ist im Hinblick auf Thema und Art der Darstellung für Kindergärten und Schulen als ein Unterrichtsmediums geeignet, worin sich die Kritiker ziemlich einig sind und Lehrer und Erzieher ihre Tauglichkeit praktisch erprobt haben. Das Thema ist und wird brisant bleiben, wie Futurolgen sagen, und es ist ein vielseitig verwendbares Kommunikationsmittel. Die Bilder können in Fächern wie Heimat- und Sachkunde, Deutsch, Arbeitslehre und Sozialkunde sowie Kunsterziehung unter verschiedenen Altersstufen Verwendung finden. Der Einsatz der Bilder im Unterricht hat seine Vorteile. Es ist ein Gegenpol zu der Übermacht verbaler Texte um Deutschunterricht und ermöglicht bestimmten Altersgruppen die Erfahrung von Welt und erleichtert auch Schülern höheren Alters den adäquaten Zugang zur Realität..

 


Funktionen der Bildmappe und Lernziele: ⇓

 

Die didaktische Notwendikeit von Bilderbüchern ist unbestritten, aber Lernziele müssten formuliert werden. Es sollen zusammenfassende Hinweise auf Funktionen der textfreien Bildmappe und auf entsprechende Zielvorstellungen seien:

Die Bildmappe ist ein geeignetes Medium für den Anfangsunterricht Literatur.

Die Bildmappe ist für bestimmte Altersgruppen eine entscheidende Brücke zum außerschulischen Literaturverhalten und führt zu einer bewußten, kritischen, selektiven Haltung gegenüber Literatur außerhalb der Schule.

Die Schüler lernen außergewöhnliche „Buchgattungen“ in ihrer spezifischen Funktionalität kennen und mit ihnen richtig umzugehen.

Durch Betrachten und Dekodieren visueller Zeichen werden analytische Wahrnehmungsfähigkeit und die genaue Sinnentnahme geübt.

Die Bilder motivieren die Schüler in außerordentlicher Weise zu verbaler Artikulation und zum Sprachhandeln, denn sie müssen nach dem Verständnis des visuellen Mitgeteilten die angemessene sprachliche Form für Aussage finden, indem sie sprechen, diskutieren mündlich oder schriftlich nachgestalten.

Die Bildmappe ist ein Instrument der Sozialisation, zur Förderung der sozialen Phantasie im Sinne von Kreativität zur Lösung menschlicher Probleme. Die Kinder erkennen Probleme, ergründen Uraschen und fragen nach dem Versuch einer Konfliktverarbeitung, nach Strategien zu einer Lösung etc.

Schüler kennen bildnerische Techniken (Montage …) und Kunstsstile kennen und die Freude am Visuellen , ästhetischies Empfinden und das Wertungsvermögen wird gefördert.

 


 

Methodisches Vorgehen und Modelle: ⇓

 

Es wurden 1976 vier Unterrichtsversuche auf verschiedenen Stufen in Münchner Schulen durchgeführt.

 

. Eingangstufe Grundschule:

 

Es wurden drei Bilder ausgewählt (Bild 1, 5 und 7). Ein Nachteil dafür ist, dass durch die für manche Kinder doch zu starke Bildreduktion der in logischer Folge ablaufende Vorgang nicht mehr erkennbar und durchschaubar ist. Ein Vorteil ist die Konfrontierung der Kinder mit größeren Kontrasten. Die Betrachtung der extrem veränderten Landschaft rufen Staunen, Verwunderung, Empörung Unverständins hervor. Die Mehrzal der Kinder wünschten sich einen eigenen Garten, ganz gleich, ob sie in einem Hochhaus oder in einem Einfamilienhaus wohnen. Hauptbegründungen waren das Halten von Tieren, der Wunsch nach Blumen oder einfach, um spielen zu können. Die Kinder drückten damit indirekt die Nachteile des Stadtlebens und ihren Wunsch nach Veränderung der Stadt aus.

 

(1)

( 2 )

( 3 )

 

♥  3.Klasse Grundschule:

 

Fast alle Kinder dieser Klasse entstammen sozialen Unterschichten und sind in unwohnlichen Betonsilos aufgewachsen. Die Schüler schafften die Auswertung aller sieben Bildtafeln sehr gut. Sie diskutierten den fiktiven Ortsnamen Güllen, sammelten verschiedene Überschriften zu den Bildern und erörterten die Berechtigung des Deutschen Jugendbuchpreises für dieses Bilderbuch. Sie übten Kritik an ihrer Wohnsituation wegen den eingezäunten Rasenflächen in der Stadt, der fehlenden Spielmöglichkeiten und der ständigen Ermahnungen und Verwarnungen durch Erwachsenen.

 

6.Klasse Gesamtschule:

 

Die Schüler sollen sich mündlich und schriftlich artikulieren können bei der differenzierten Bewertung von Lebensräumen. Sie sollten die Veränderungen bei der Entwicklung des Ortes Güllen erkennen und nennen, wesentliche Vorteile des Lebens auf dem Lande und in der Stadt sehen und verbal formulieren können und ebenso beschreiben können, wie die Umwelt den Menschen beeinflußt. In Partnerarbeit diskutiert und schriftlich begründet, wo der einzelne lieber wohnen möchte. Die Meinungen waren sehr geteilt

 

9.Klasse Gesamtschule:

 

Die Bildmappe „Alle Jahre wieder…“ diente als Einstieg und Anregung für die weitere Diskussion zu „Der Mensch und seine Umwelt“. Nachdem die Notwendigkeit sinnvoller Umweltgestalung und Städteplanung erkannt war, wurden Verbesserungsvorschläge erarbeitet wie Bau von U-Bahnen, Fußgängerzonen, Lärmschutzwällen, Kommunikationszentren, Maßnahmen gegen Luftverschmutzung, künstlerische Bemalung der Häuser etc. Schüle zeigten sich kreativ, aber doch mußte immer wieder auf die vielfältigen Schwierigkeiten bei der Verwirklichung derartigr Pläne aufmerksamk gemacht werden.