Bilderbuch (2)


 

Das liegt zum einen an den gattungsspezifischen Merkmalen, zum andern an dem riesigen Angebot, das heute den Markt überschwemmt. Entscheidend ist aber der dominierende Hang des Menschen unserer Zeit zum Visuellen.

Ursprünglich meinte der Begriff jedes mit Bildern ausgestattete Buch, im 19. Jahrhundert wurde er eingeengt und seitdem auf eine bestimmte, altersmäßig abgrenzbare Rezipientengruppe (etwa 2-8 Jahre) bezogen. Es gibt textfreie Bilderbücher und solche mit Textbeigaben, die im umgekehrten Verhältnis zum illustrierten Buch nur Hilfsfunktion haben.

Entscheidendes Maß für die Gattungsbestimmung sollte immer die Dominanz des Bildes sein, doch stehen in manchen Büchern (z. B. Märchenbilderbücher) Text und Bild zumindest quantitativ gleich nebeneinander (eine Seite Text – eine Seite Bild), so daß hier die Grenzen einer genaueren Definition liegen. Einen ähnlichen Pluralismus weist das Bilderbuch stiltypologisch, maltechnisch-typographisch und funktional auf.

An Techniken werden verwendet: Zeichnungen mit Bleistift, Kohle, Tusche, Feder, Farbfeder; flächenbetonte Malerei mit Aquarell-, Tempera- und Ölfarben: Kratz-, Schnitt- und Wischtechniken wie Holzschnitt, Linolschnitt, Kupferstich, Radierung; dazu verschiedenste Druck- und Phototechniken sowie Mischtechniken aller Art usw.

Das Bilderbuch-Angebot ist heute allerdings gekennzeichnet durch eine vorher nie gekannte Internationalität und einen schon angedeuteten Pluralismus in jeder Beziehung (Aufmachung, Stil, Technik usw.); so machen sich neben nostalgischen und ästhetischen besonders politische Tendenzen bemerkbar.

Die Phase der starken Rezeption von Bilderbüchern ragt allerdings auch weit in die Zeit des ersten freien Lesens hinein, bis zur 374. Klasse Grundschule. Um so verständlicher ist es, daß man innerhalb dieser kurzen, aber äußerst komplexen
Entwicklungsphase in bezug auf Arten und Funktionen von Bilderbüchern noch einmal stark differenzieren muß.

Nach R. Bamberger (1965 und 1975a), K. E . Maier (1973) u. a. sieht die A b stufung etwa folgendermaßen aus:

 

1.- 3. Lebensjahr: »Elementarbilderbuch«
3 – 4. Lebensjahr: »Szenenbilderbuch«
2 ab 5./6. Lebensjahr: »Bilderbuchgeschichte«

 

 

Das moderne Bilderbuch in seiner breiten Funktionalität kann zu Aktivitäten unterschiedlichster Art anregen und die Entwicklung entsprechender Fähigkeiten und Einstellungen fördern:

Genaues Betrachten und Wahrnehmen (planmäßiges Vorgehen; Erkennen von Details)

Lesen (besonders Erstlesen und weiterführendes Lesen; mit Unterstützung durch das Bild)

Sprechen und Diskutieren (Motivation; Problemimmanenz in Bild/Text)

Mündliches und schriftliches Nachgestalten (vor allem textfreie Bildfolgen)

Nachgestalten im Spiel (Pantomime, Dialog, Rollenspiel, Hörspiel etc.)

Gesanglicher Nachvollzug (Motivation durch Sprechgesang) bzw. Umsetzung in musikalische Formen (vgl. das sprachlich-musikalische Experiment von M. u. W. Jehn, Wir spielen ein Bilderbuch, 1972)

Bildnerisches Gestalten (mit verschiedenen Techniken wie Zeichnen, Malen, Schneiden u. a. sowohl im Buch selbst wie auch im Anschluß)

Lösen von Aufgaben (Suchen, Raten, Ergänzen; z. B. Spielbücher, Puzzles)

Korrigieren und Verbessern (von »Fehlern« im Buch)

Geschmackliche Äußerung und Wertung (Stile, Techniken, Bild-Text-Verbindung usw.)

Freude am B i l d (Gegenstand, Form, Farbe)

Erwerb und kritische Rezeption von weiteren Bilderbüchern.

 

 

Bildvorlage und unterrichtsorganisatorische Maßnahmen:

 

Jeder Schüler (oder zumindest immer 2 oder 3 zusammen) hat ein Buch als Arbeitsgrundlage.

Der Lehrer arbeitet mit großformatigen Bildern.

Der Lehrer setzt Bildwerfer ein.

 

Natürlich sind Bilderbücher in praktisch allen anderen Fächern einzusetzen:

im Rechnen
im Musikunterricht
in Kunsterziehung
im Religionsunterricht
in Heimat- und Sachkunde

 

Entscheidend für den Lehrer in der Praxis wird immer die Möglichkeit zur schnellen Information sein. In diesem Fall sind besonders zwei umfangreiche Broschüren zu empfehlen:

– Arbeitskreis für Jugendliteratur (HG.): Das Bilderbuch. Eine Auswahl von Bilderbüchern aus aller Welt. 6., völlig neubearb. Aufl., München 1981

– Deutsches Jugendschriftenwerk (HG.): 3-8. Hilfen zur frühkindlichen Bildungsförderung.
Frankfurt a. M . 1981

Bei allem darf man nicht vergessen, daß viele Schulbücher wie reich illustrierte Fibeln, Grundschullesebücher und Sachkundebücher ebenfalls eine Art Sachbilderbuch sind; sie sollten aus naheliegenden Gründen zuerst entsprechend genutzt werden.