Bilderbuch (1)


Formale Merkmale des Bilderbuches: ⇓

 

Nicht das Wort, sondern das Bild nimmt die dominierende Stellung ein.

Es lassen sich formal gesehen drei Gruppen von Bilderbüchern unterscheiden:

Bilderbücher ohne Textbeigabe
Bilderbücher mit kleinen Textbeigaben
Bilderbücher, in denen Text und Abbildung gleichbedeutend nebeneinanderstehen.

 


Leserkreis des Bilderbuches: ⇓

 

Das Bilderbuch wendet sich vorwiegend an Kinder, die noch nicht Biiderbuchaiter lesen können (Klein- und Vorschulkinder) und an die, die dabei sind, das Lesen zu erlernen (Grundschulkinder in den ersten beiden Schuljahren).

Wenngleich nun das Bilderbuch so durchaus als Vorläufer des Textbuches gelten kann, so ist es doch mehr als nur dieses. Es ist ein eigenständiges Medium mit einer vorwiegend visuellen Ästhetik, das über andere Möglichkeiten als die der Textliteratur verfügt und insofern nicht von den Kindern nach dem Lesenkönnen überwunden ist, indem Textliteratur quasi auf eine höhere Stufe gestellt wird.

 


Typen und Themengruppen: ⇓

Die ersten Bilderbücher

Das Kind erkennt und benennt Bilder in der Regel zum erstenmal im Laufe des zweiten Lebensjahres. Kennzeichnend für diese erste Stufe des Bildbetrachtens istdaßdie vertrauten Dinge des täglichen Umgangs vom Kind wiedererkannt und von ihm daran das Sprechenlernen und die Begriffsbildung geübt werden können.

Szenenbilderbücher

Im Laufe des 3. Lebensjahres beginnen Kinder, inhaltsreichere Bilder zu betrachten. Sie sind jetzt zu dynamischen Bildbetrachtungen fähig, sie beginnen Vorgänge und Veränderungen zu erfassen.

 


Kinderlyrik im Bilderbuch: ⇓

Bilderbücher mit überlieferter und moderner Kinderlyrik erweitern das sprachliche Erfahrungsfeld der Kinder.
Für die Kleinkinder sind besonders die Spielreime und ersten Kinderverse, die zum Mitmachen, Nachsprechen und Nachahmen anregen, interessant.

 


Bilderbücher als Spielmittel: ⇓

Spielbilderbücher Bilderbücher, die durch die funktionellen Möglichkeiten eher zu Spielmitteln der Kinder werden, nehmen eine Sonderstellung ein.

 


Bilderbücher nach Volks-und Kunstmärchen und Fabeln: ⇓

Für Kinder im 4. Lebensjahr (oft auch schon im Laufe des 3. Lebens- jahres) werden Bildergeschichten mit einfachen Handlungen inter essant. Zu diesen gehören die Bilderbüchernach Volksmärchen und Sagen.

 


Wirklichkeitsnahe Bildergeschichten:

Wirklichkeitsnahe Bildergeschichten setzen sich mit den realen Verhältnissen der möglichen und gegenwärtigen Welt auseinander. Sie schließen damit unmittelbar an die Szenenbilderbücher an.
Wirklichkeitsnahe Tiergeschichten kommen der Neigung der Kinder entgegen, das wahre Wesen derTiere zu erfahren, also wie sie beschaffen sind und wie sie leben.

Bildergeschichten mit problemorientierten Inhalten oder gesellschaftskritischen Themen geben den Kindern eine erste Vorstellung von den gegenwärtigen und zukünftigen Problemen unserer Gesellschaft bzw. unseres Lebens, um schon im Vorschulalter eine kritische Bewußtseinsbildung zu fördern.

 


Phantastische Bildergeschichten: ⇓

Neben den wirklichkeitsnahen Bildergeschichten dürfen Anregun- Phantasie im gen der kindlichen Phantasie nicht zu kurz kommen. Sicher ge- Bilderbuch schieht dies auch in den Märchenbilderbüchern, doch steht in den phantastischen Bildergeschichten die Realität in einem engeren Zusammenhang zu den phantastischen Elementen.

 


Sachbilderbücher: ⇓

Das Sachbilderbuch will Wissen vermitteln. Es hat ein weit gespann- wissensvermitt-tes Themenfeld und reicht von der unmittelbaren Umwelt der Kinder lung im Biiderbw bis zu Themen aus derTechnik, der Kultur und der Wissenschaft. Bei Sachbilderbüchern gilt zu bedenken, ob die dargestellten Inhalte das Kind im Bilderbuchalter nicht überfordern und ob nicht bestimmte Inhalte erst in der Schule ihren Platz haben sollten.

 


Religiöse Bildergeschichten: ⇓

Die Idee, biblische Geschichten Kindern in Bildergeschichten nahezubringen, ist mindestens so alt wie die Geschichte des Bilderbuches.

 


Zur Bilderbuchgestaltung: ⇓

Bei der Sichtung der gegenwärtigen Bilderbuchproduktion ergibt sich ein kaum noch überschaubares Angebot aller nur erdenklichen Stile.

 


Die erzieherische Bedeutung des Bilderbuches: ⇓

Die im folgenden aufgezeigten Einflüsse des Bilderbuches auf die kindliche Entwicklung müssen nicht in jedem Fall eintreten. Ob und wieviele mögliche Wirkungen eintreten, wird im wesentlichen durch die erzieherische Praxis der Eltern und Erzieher bestimmt.

 


Die Vermittlung des Bilderbuches: ⇓

Ob ein Bilderbuch von einer Gruppe nur oberflächlich betrachtet wird oder ob der Inhalt von den Kindern entdeckt und erschlossen wird, ist bedingt durch das didaktisch-methodisch begründete Vorgehen des Erziehers.
Eine Bilderbuchbetrachtung kann auf verschiedene Weise durchgeführt werden. Günstig ist es, wenn der Erzieher die Kinder in einem Halbkreis zusammensetzt. Er sitzt vor ihnen und hält das Buch den Kindern zugewandt in den Händen. In dieser Sitzordnung kann der Erzieher Bild für Bild mit den Kindern betrachten und besprechen.

 


Fazit: ⇓

Bilderbücher sind insbesondere für Kinderzwischen 2 und 8 Jahren gedacht.
Bilderbücher können umwelterklärende und umweltverstehende Hilfen sein.
Bilderbücher können die Sprachtüchtigkeit und Denkleistungen der Kinder fördern und trainieren.
Bilderbücher ermöglichen literarische Ersterfahrungen und erleichtern den Kindern den Zugang zu anderen Gattungen der Kinder- und Jugendliteratur.
Bilderbücher können die Kombinations- und Assoziationsfähigkeit entwickeln helfen.
Geschmackvolle und qualitativ wertvolle Bilderbücher entwickeln das Formgefühl, das Formverstehen und den guten Geschmack, fördern die Entwicklung der kindlichen Kreativität.
Da Bilderbücher Mittel der Erziehung sind, nicht nur der Unterhaltung dienen, sollten sie Hilfe bei der Bewältigung der Realität der Kinder sein.
Bilderbücher mit emanzipatorischen Intentionen sollten den Bilderbüchern mit Heile-Welt-Darstellungen vorgezogen werden.
Vor dem Einsatz eines Bilderbuches sollte der Erzieher genau überlegen, welche Lernziele er mit dem ausgewählten Bilderbuch erreichen will.